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Maybach

markenlexikon

Maybach - Vater und Sohn und der deutsche Rolls Royce.

Es gibt keine Automarke in Deutschland, die dem Nimbus von Maybach nahe kommt, obwohl nur relativ wenige Automobile gefertigt wurden.



Die Marke blieb, ganz im Sinne des Gründers der Dynastie, eher dezent im Hintergrund nach dem alten Motto „mehr sein als scheinen“. Wilhelm Maybach, geboren am 9.2.1846 erhielt seine Grunderziehung im Reutlinger Waisenhaus, denn seit 1856 waren die 5 Maybach-Söhne Vollwaisen.

Das sog. Bruderhaus in Reutlingen war eine technisch orientierte Ausbildungsstätte für Minderbemittelte und man verstand es, prominente Lehrer zu finden, so dass auch Gottlieb DAIMLER ab 1867 dort wirkte und den jungen Maybach (Vater) als große Begabung kennenlernte. Diese Bekanntschaft war für beide Männer ein Glückstreffer und erhielt sich über die nächsten Jahrzehnte zum Segen der aufstrebenden deutschen Maschinenbau-Industrie und trug Früchte auch in der nachfolgenden Generation wie wir sehen werden.

1869 folgte Maybach seinem Mentor Daimler nach Karlsruhe zur dortigen Lokomotiven- und Dampfmaschinenfabrik, schon 1872 gingen beide zu Nikolaus OTTO (siehe Otto-Motor). In diese Zeit fällt die Geburt des Sohnes KARL MAYBACH 1879 in Deutz.

Nachdem Daimler Mitte 1882 bei Otto ausschied und sich in Cannstatt bei Stuttgart selbständig machte, folgte ihm Maybach Ende 1882 dorthin. Bekanntlich wurde bereits 1885 von Daimler (und Maybach) das Motor-Zweirad erbaut, 1886 folgte die Motorkutsche“.
Sohn KARL wurde also groß mit dem Geruch von Benzin im Kinderzimmer und sah dem Vater wohl bei seinen genialen Erfindungen über die Schulter – das prägt natürlich.

Wilhelm Maybach wurde1895 zum technischen Direktor der DMG ernannt, und sein Sohn Karl Maybach arbeitete dort mit ihm, während er seine Ausbildung zum Techniker vervollständigte. Der MERCEDES-Wagen von 1901 ist eine Schöpfung von Vater Maybach und sein Sohn mit damals 21 Jahren wird daran mitgewirkt haben.
1907 verließ Vater Maybach die DMG und begab sich in den Ruhestand.
1929 starb er mit 81 Jahren und konnte den Aufstieg seines Sohnes noch erleben und wohl auch beratend begleiten, denn 1909 wurde in Bissingen bei Ludwigsburg die Luftfahrzeug-Motorenbau Gesellschaft, von Karl Maybach mitgegründet, die sich schon 1911 nach Friedrichshafen am Bodensee verlagerte, der Heimat der berühmten Graf Zeppelinschen Luftschiffe, deren große Flugmotoren von Karl Maybach entwickelt wurden und die im 1. Weltkrieg einen neuen technischen Standard setzten.

Im Mai 1918 erfolgte dann die Umbenennung in MAYBACH MOTORENBAU GMBH als Keimzelle der späteren Automobilproduktion einerseits (ab 1921) und der Großmotorenfertigung für Luftfahrt, Schifffahrt und Schienenfahrzeuge (heute MTU).
Dr. hc. Karl Maybach leitete seine Firma bis 1952, er starb 1960 im Alter von 81 Jahren. Im gleichen Jahr 1960 übrigens schlossen sich Mercedes und Maybach zusammen (hic !) um gemeinsam Großmotoren und Turbinen unter dem späteren Namen MTU (Motoren & Turbinen-Union) zu bauen, dem sich auch die Erfinder des Dieselmotors, die MAN anschloß.

Kommen wir jetzt ENDLICH zur Automobilproduktion der MAYBACH-Werke ab 1921:
Als Spezialisten für den Motorenbau hatte man einen W 2 genannten 6-cylinder mit 70 PS fertig, der 1921 an die Niederländischen Autobauer Spyker als Einbaumotor geliefert wurde, infolge des Konkurses von Spyker nach wenigen Exemplaren aber nicht mehr abgenommen wurde. Ergo baute Maybach sein eigenes Auto, was bei dem vorhandenen know-how völlig natürlich war. (Vater Maybach wird hier mitgewirkt und seine Mercedes-Erfahrung eingebracht haben).
W 3 hieß folgerichtig der erste Maybach in kleiner Serie ( nach einem Versuchswagen W 1 )
Es war der teuerste Wagen auf der Autoausstellung von 1921 als großer, komfortabler Reisewagen, was die kommenden Maybach, alle übrigens mit dem W (Wagen) im Titel, auch bleiben sollten.

Maybach wurden immer außer Haus karossiert, vorzugsweise von Spohn in Ravensburg. Die Herstellung der sog. „rolling chassis“ war feinste Präzisionsarbeit in jedem Detail und eher einem feinmechanischem Werk ähnlich, als einem ordinären Auto, wie es andere Fabriken lieferten. Der Nimbus Maybach war von Anfang an vorhanden und wurde gepflegt. Nicht ohne Grund galten die wenigen elitären Produkte als dem Rolls Royce ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen...

1928 endete die Linie der W 3/W 5 mit dem zuletzt 7 Liter 6-cylinder und 120 PS –Motor, (RR Phantom II ist vergleichbar).
1929/1930 kommt mit dem Maybach 12 der erste V 12-Motor mit 7 Litern und 150 PS,
Vorläufer des berühmten „Zeppelin“ (DS 7 bzw. DS 8 mit 8 Litern und 200 PS, wobei DS für Doppel- Sechs steht) der 1930 erscheint und den Rolls Royce Phantom III vorwegnimmt. Nur 300 Stück der 12-Cylinder-Wagen werden von 1929 bis 1939 gebaut. Keiner ähnelte dem anderen, allsamt gingen sie in die Hände der Träger berühmtester Namen, unter denen nur versehentlich einige wenige des neuen politischen Proletariats sich finden lassen.

Außerdem fertigte man natürlich auch noch „mittlere“ Maybach der Serien W 6 und DSH (Doppel-Sechs-Halbe also tatsächlich ein halber 12-cylinder gleich 6 Zylinder 5,2 Liter !!).
1936 kam dann der moderne SW (Schwingachs-Wagen, also hinten Einzelradfederung) als SW 35/SW 38 und SW 42 mit entsprechendem Hubraum des 6-cylinder von 3,5 bis 4,2 Liter aber immer mit gleicher Leistung von 140 PS.
Ca. 700 Stück wurden bis 1941 gebaut mit einer Dunkelziffer während des Krieges.

Charakteristisch für Maybach war das halbautomatische Getriebe mit Betätigung von der Lenkradmitte und einer Vielzahl von Gängen für jeden Fahrbereich.

Karosserien entstanden in einer Vielfalt, die unbeschreiblich ist und die wohl schönsten Exemplare der späten 3oer Jahre einschließt.
Da jedes der Maybach-Automobile (mit Ausnahme der SW-Serie) als Einzelstück anzusehen ist, können wir keine bedeutendsten Maybach herausstellen. Herausragend ist allein der ZEPPELIN von seiner grandiosen Technik her.
Hierbei wiederum von der Karosserie die sog. Stromlinien-Limousine" von Spohn 1932, Ausstellungswagen der Automobilausstellung in Berlin und dort natürlich DIE Sensation (Eine gewisse Verwandtschaft mit dem ähnlich progressiven französischen VOISIN ist nicht zu übersehen).

Von 1929 bis 1939 hat Maybach vermutlich an die 2.500 Fahrzeuge hergestellt. Wo sind sie geblieben ?

Zu bemerken ist noch, dass die Maybach Motoren Werke (und ihre Lizenznehmer) die Antriebsaggregate aller im 2.Weltkrieg gebauten deutschen Kettenfahrzeuge (Panzer etc.) lieferte einschließlich der dazugehörigen hochmodernen Getriebe nach den Maybach-Patenten. Das waren ca. 150.000 Stück !! Die heutige MTU führt diese Tradition fort.

Randbemerkung: Natürlich hat Daimler-Chrysler juristisch und markenrechtlich Anspruch auf die Verwendung des Namens MAYBACH im Rahmen ihres Geschäftsbetriebes. Ob der neue Maybach, der jetzt von Mercedes vorgestellt wurde, den Erwartungen gerecht wird, können - außer den Käufern natürlich - nur noch Wilhelm Maybach und sein Sohn Karl entscheiden. Schaun wir mal...........

Als Lektüre gibt es nur ein Buch, das wir empfehlen, und zwar von Michael Graf Wolff-.Metternich – Gründer des deutschen Maybach Clubs und DER Maybach-Kenner weltweit aus eigener Erfahrung seit 1942 – „DISTANZ ZUR MASSE“ Verlag Hermann E.Sieger/Lorch Es gibt nichts Besseres.


Wilhelm Maybach


Gottlieb Daimler


Karl Maybach

 

 

 

 

 

 

 

 


Luftschiff: Hindenberghang




Maybach Motorenbau GmbH
Montagehalle

 

 

 

 

 

 

 

 


Maybach W3








Spohn

 

 

 

 


Maybach 12 Pullmann Cabriolet

 

 

 


Maybach SW 35 Limousine

 

 

 

 

 

 

 

 


Maybach Zeppelin


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